„sorry, aber da bin ich dagegen“

Auf facebook gibt es seit September 2012 ein event:
Grundeinkommen ist ein Menschenrecht! (https://www.facebook.com/events/502982379734558/).
Hierin wird dazu aufgerufen, gemeinsam am 14. September 2013 in Berlin zu Gunsten eines Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) zu demonstrieren*.

Wie so oft finden sich bei solchen Aufrufen auch die, die sich selbst für besonders ausgefuchst halten.
Hier in diesem Fall schreibt ein fb-user:

<mir fehlt die zeit ausführlich zu antworten,
<1)aber ganz grundsätzlich bin ich der Meinung, nur wer arbeitet bekommt Geld.
<2)Ja ich weiß nur weil jemand keinen normalen Job hat, heißt das nicht, dass er nichts für die Gesellschaft tut.
<3)Aber ein System in dem man übertrieben gesagt „Geld für lau“ bekommt, schafft bei der
<gegenwärtigen durchschnittlichen Moraleinstellung zu viele Anreize für Ausnutzung.
<das mal in „kürze“ 😉
<4) politisches Engagement der Bürger finde ich aber gut und wenn alle hier eingeladenen mal <über Vor und Nachteile nachdenken,

>1) dann arbeiten Frauen nicht? Der „arme Poet“ ebenso wenig? Was ist mit ehrenamtlichem Engagement? Auch keine Arbeit?
>Wusstest Du, dass 2/3! (zwei Drittel) der Arbeit in Deutschland unbezahlt ist?
>
>2) definiere „normal“ – und wenn Du schon so weit mit Deiner Einsicht gekommen bist, wieso folgst Du dem Gedanken nicht >probeweise einmal konsequent bis zum Schluss? Kann es sein, dass es viele Menschen gibt, die sich nicht selbst verkaufen
>können und in einem kapitalistischen System unter die Räder kommen?
>
>3) Paris Hilton erhält Geld für lau – vermutlich meinst Du die aber nicht damit, wenn Du von „Ausnutzung des Systems“ sprichst
>- oder?
>
>3a) nur weil ein kleiner Teil das System ausnutzen könnte, sollen die vielen anderen (nämlich die überwiegende Mehrheit), dies
>sich abmühen, allen Aufgaben gerecht zu werden ebenfalls kein BGE erhalten?
>
>4) na, immerhin – soviel Zustimmung gibt es ja dann doch
>Danke dafür!
>Und Glückwunsch:
>hast noch eine Chance, nicht komplett in den Zynismus abzurutschen.
>
>Danke für die Aufmerksamkeit.

seine Antworten aus dem Standardrepertoir der „Bedenkenträger“:

<zu 1) das hab ich ja unter 2) genannt, bin mir dessen sehr bewusst
<zu 2) So Leute gibts, ob ein Grundeinkommen die Lösung ist weiß ich nicht
<zu 3) Bin jetzt kein Fan von Paris, aber soweit ich weiß nutzt sie das System nicht aus. Sie hat halt ziemlich Glück gehabt im
<Leben (was finanzielles anbetrifft). Da können wir jetzt neidisch sein, ne Reichensteuer einführen, oder es ihr halt gönnen,
<dass sie Glück hatte – ich denke sie hat andere Probleme. Ohne ihr Glück würde sie im kapitalistischen System untergehen.
<Nebenbemerkung: Man kann sich jetzt fragen ob siie ein Grundeinkommen verdient hätte *g*
<
<zu 4) puh ich glaube die überwiegende Mehrheit von uns sucht nach Möglichkeiten das System auznutzen und Vorteile für sich zu
<ziehen (das fängt beim Falschparken an, geht weiter bei der Steuererklärung, dem innerlichen Freuen, wenn man an der Kasse
<versehentlich zu viel rausbekommen hat, Krankschreiben lassen beim Arzt, ach von dem Bekannten brauch ich doch keine Rechnung
<den bezahle ich bar fürs Fließenlegen…eigentlich überall wo man einen Vorteil für sich ziehen kann, ist es überraschend wie
<viel Rechtfertigungen wir im Kopf haben, dass das ja okay ist)
<
<…ich finde nicht das ich zynisch war, nur meine Ansicht. Ich denke wir haben da zwei verschiedene Meinungen. Ich finde nicht ich hab kein Problem mit Zweifeln
>
>mir kommt es nur seltsam vor, dass man als Resultat von Zweifeln immer „bin dagegen“ resümiert.
>
>Seit 7 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema – in der Zet habe ich immer wieder Leute erlebt, die DAGEGEN waren.
>Einfach so!
>
>Keiner von ihnen sagte: „Hm, ich sehe aber dieses und jenes Problem – lass mich darüber nachdenken, wie ihr das BGE einführen
>könnt und ich darauf aufpasse, dass an dem Punkt, da ich drohende Probleme für unsere Geselschaft sehe, diese von mir von
>vorherein gedanklich gelöst werden.“
>
>Z.B.:
>Einer will ein Haus bauen. Manchen Menschen sterben, während sie für andere ein Haus bauen. BGE-Gegner gehen hin und sagen
>dann: „Ach was, man sollte einfach keine Häuser bauen.“ Ernstzunehmende Kritiker sagen: „Hm, da müssen wir wohl etwas für den >Unfallschutz unternehmen!“

Bislang konnte mir keiner der „Gegner“ eine Lösung anbieten für die strukutrellen Veränderungen, denen wir in den kommenen zwei bis drei Jahrzehnten entgegensehen:
schon heute gibt es 3D-Drucker, die jetzt schon in der Lage sind, Beuteile herzustellen, mit denen man diese 3D-Drucker selbst wieder bauen kann. Sich selbst reproduzierende Maschinen sind also heute schon Realität. Ich sage voraus, dass wir in wenigen Jahren oder spätestens Jahrzehnten eine völlige Veränderung der heutigen Industrie und Wirtschaft erleben werden, aus der die Situation von heute noch viel dramatischer hergehen wird, als wir es gegenwärtig bereits deutlich zu spüren bekommen.

Die Krise in der wir stecken, ist in Wirklichkeit eine Erfolgsgeschichte. Die Verwirklichung eines Menschheitstraumes! Nämlich, dass Maschienn unsere Arbeit verrichten.

Leider hat sich niemand darüber Gedanken gemacht, dass wir den Menschen eine Einkommensmöglichkeit lassen müssen, wenn die Einkommensplätze von früher mehr und mehr der Vergangenheit angehören. Die Forderung der Grundeinkommensbewegung, die da lautet „Arbeit und Einkommen voneinander zu trennen“ ist also die logische Schlussfolgerung. Das Festhalten an der Forderung nach Vollbeschäftigung wird zunehmend zur Farce.

Ist das rigorose Ablehnen einer zukunfstträchtigen Vission also nichts weiter als ein Mangel an Phantasie? Das nicht eingestehen wollen, dass man sich mit den Folgen der Technologisierung und der Effektivität unserer Produktionskräfte noch nciht auseinander gesetzt hat?

Ich wünsche mir, dass wir in Deutschland, in der westlichen Welt oder auf dem ganzen Globus uns ergebnisoffen mit den gegenwärtigen Problemen auseinandersetzen und dass wir weniger über „Das geht doch nicht!“ debattieren, als darüber, was es denn für potentielle Lösungen gibt.

Seit November 2011 rede ich ofensiv darüber, dass zur kommenden Bundestagswahl das BGE ein zentrales Wahlkampfthema werden muss. Oder es muss jemand einen ähnlich weitreichenden Lösungsvorschlag präsentieren.

Was sagt ihr dazu?

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