4-Säulen-Modell – ein mögliches Konzept zur Refinanzierung des Bedingungslosen Grundeinkommens

Immer wenn es um das Bedingungslose Grundeinkommen geht, wird die Frage laut, wie es denn finanziert werden soll.

Die erste Aussage lautet:

das ist keine Frage! Die Finanzierung ist längst gesichert.

Die zweite Aussage geht darauf ein, dass wir mit einer Umstellung des Steuersystems die Vereinfachung, die durch ein BGE herbei geführt wird, zusätzlich vereinfachend gestalten.

Grundlegende Überlegungen

Der Staat ist die Zusammenfassung aller in ihr lebender Menschen – ob mit Bürgerrecht ausgestattet oder ihnen verwehrt, so sind es doch die Menschen, die gemeinsam den Wohlstand in einem bestimmten Gebiet generieren. Im besten Fall geschieht dies ohne nationalstaatliche Grenzen, sondern weltweit in dem Bewusstsein, dass wir alle Teil der großen Menschheitsfamilie sind.

In meiner Überzeugung gibt es also keine Trennung zwischen dem „einfachen Menschen“ und der regierenden Kaste. Vielmehr gehe ich von der Prämisse aus, dass diese vom Volk gewählte Repräsentanten ist.

Bei einem BGE gibt es nur eine Möglichkeit der Finanzierung:
wenn alle Menschen es wollen, müssen alle dafür bezahlen, damit es auch alle erhalten. Dem „Staat“ in der landläufigen Bedeutung oder der Verwaltung des Staates obliegt nun die Pflicht, aus dem gemeinsam erwirtschafteten Wohlstand einen Teil einzusammeln und gleichmäßig an alle zu verteilen. Damit wird sowohl Allokation, als auch Distribution – in erster Linie von Gütern, also Waren und Dienstleistungen – möglich.

Wie hoch muss es denn sein, damit es „teilhabesichernd“ ist

Ein Betrag kann nicht genannt werden, da vermutlich das Preisgefüge auf den Kopf gestellt werden wird mit einem BGE.

Also verbreite ich von Anfang an die Formel =
Kaufkraft mal Stadardwarenkorb

damit ist auch für die Zukunft definiert, was ein BGE umfassen muss.

Außer Nahrung, Kleidung und Obdach – selbstverständlich! – muss in einem BGE enthalten sein, Bildung, Mobilität, Informationsabrufbarkeit.

Werner Rätz sagt, es müsse auch das Bio-Brot davon bezahlbar sein und macht damit deutlich, dass wir selbst bei der Nahrung bestimmte Standards einhalten müssen, weil wir es sonst über den Umweg der sinkenden Volksgesundheit doch wieder alle gemeinsam (er-) tragen müssen.

Katja Kipping bezeichnet das BGE als Demokratie-Pauschale und fordert, dass auch die Teilnahme an einer Demo darin enthalten sein muss. Selbst das Gespräch im Café ist meines Erachtens darunter zu zählen.

Weiterhin gehe ich von einer Pro-Kopf-Pauschale für die Krankenversicherung aus. Auf diese Weise würde ein Betrag von etwa 200 € pro Kopf an die Versicherungen geleitet und alle Krankenkosten wären damit abgedeckt.

Das Konzept

Ich trage schon seit geraumer Zeit gedanklich dieses Konzept mit mir herum .

1. ticketloser ÖPNV

Eine Säule, die in den Forderungen der Piratenpartei enthalten ist und die bei den Linken weiter gefasst wird:
ticketloser ÖPNV oder gebührenfreie Infrastruktur.

Mit dieser ersten Säule erreicht man, dass weniger Geld bar in die Hand genommen werden muss.

In NRW ist seit 2001 der ticketlose ÖPNV bereits Realität – zumindest für bestimmte Menschengruppen, nämlich z.B. Studenten.

Beispiel:

wenn wir von der magischen Zahl 1.000 ausgehen und für unsere Überlegungen diesen Betrag zu Grunde legen, verhält es sich wie folgt.

Will ich als Einzelperson ein Monatsticket für NRW erwerben, zahle ich ca. 180 €. Ein Student zahlt für das Semesterticket etwa 150 – 180 € pro halbes Jahr! Also haben wir ein Verhältnis von 6:1.

Mit ticketlosem ÖPNV muss bei der Verteilung also nur noch ein um 150 € reduzierter Betrag aufgebracht werden, unter der Maßgabe, dass Mobilität als wichtig angesehen wird und die Übereinkunft besteht, dass sie im Standardwarenkorb enthalten sein muss.

In dem Falle betrüge das BGE 850 €, ausgezahlt wird aber nur 820, die Differenz wird direkt an die Verkehrsbetriebe abgeführt.

2. am Boden gebundene Ressourcen, z.B. Frequenzen

Am Beispiel Alaska, die seit 1976 den Alaskan Permanent Fund aus den Bodenschatzgewinnen speisen und jährlich eine Dividende auszahlen (Ende August 2008 auf der Höhe der Finanzkrise betrug die Dividende sogar über 2.000 $ pro Kopf!)  http://de.wikipedia.org/wiki/Alaska_Permanent_Fund leitet Karl Widerquist, ein US-Ökonom die Idee ab, dass auch Staaten ohne nennenswerte Bodenschätze über „an den Boden gebundene Ressourcen“ verfügen.
Er nennt das Beispiel der Frequenzen und führt aus, dass die Umstellung von analog zu digital-Fernsehen die benötigten Frequenzen verzehnfacht hat. Ich füge hinzu: wir haben die Versteigerung der UMTS-Frequenzen gehabt. Warum dürfen die Gewinne nicht stattdessen besteuert werden und damit ein Teil des BGE finanziert werde? Schließlich zahlt ja auch niemand einen einmaligen Betrag und darf die Frequenzen dann frei nutzen.

Weiterhin macht er darauf aufmerksam, dass Eigentumsrechte am Boden immer gleichzeitig auch ein Ausschluss aller anderen Menschen von diesem Stück Land beinhalten (und unter Umständen damit einhergehend der Entzug der Lebensgrundlage, wenn wir von Naturvölkern ausgehen, die darauf jagen wollen). Schon Thomas Paine ging davon aus, dass in dem Fall z.B. durch Pacht ein monetärer Ausgleich geschaffen wird für die, die ohne Land zurück bleiben (auf diesen Punkt gehe ich intensiver ein, wenn ich mein 4+1-Modell vorstelle)

3. Ökosteuer

Will man für eine künftig bessere Gesellschaft das Nachhaltigkeitsprinzip sicher stellen, ergibt sich – in meinen Augen zwangsläufig – die Notwendigkeit, eine Ökosteuer zu erheben. Wer aus dem System ein hohes Maß an Ressourcen entnimmt, soll entsprechend viel dafür bezahlen. Als Beispiel sei Aluminium angeführt. Der Kilo-Preis liegt bei rund 1,45 € (Stand 31.5.2013) (http://www.finanzen.net/rohstoffe/aluminiumpreis/euro) und dürfte damit kaum den tatsächlichen ökologischen Kosten entsprechen. (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Aluminium#Gewinnunghttp://de.wikipedia.org/wiki/Aluminium#Aspekte_des_Umweltschutzes).

Aus diesen Einnahmen lässt sich ein weiterer Anteil des BGE refinanzieren.

4. MWSt

Vermutlich der umstrittendste Teil einer Refinanzierung des BGE.

Bei einem Gespräch mit meinem Steuerberater machte er mich darauf aufmerksam, dass das BGE in Kombination mit einer reinen MWSt-Finanzierung der „große Wurf“ sei. Er stellte dar, dass derzeit bereits, die MWSt in den Steuereinnahmen den zweitgrößten „Topf“ ausmacht.
struktur-und-verteilung-der-steuereinnahmen-abbildung03(http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Monatsberichte/Standardartikel_Migration/2011/06/analysen-und-berichte/b04-struktur-und-verteilung-der-steuereinnahmen/struktur-und-verteilung-der-steuereinnahmen.html)

Da die MWSt die schnellste Steuer sei, die an den Staat zurück fließe, würde damit die Liquidität des Staates „erheblich“ erhöht.

Für mich ist dieses Argument im Sinne der Dynamik von Geld noch erweiterbar und gilt als bestätigt.

In einem früheren Blog habe ich vorgerechnet, wie mit einer reinen MWSt-RE-Finanzierung das BGE sofort eingeführt werden kann (https://felixccaa.wordpress.com/2013/03/12/bge-die-sofortige-finanzierung/).

Für mich gilt ein weiteres sehr wichtiges Argument als bedeutsames Kriterium FÜR eine MWSt-Refinanzierung (wie gesagt, finanziert ist es längst, es gilt, sich selbst klar zu machen, dass wir hier von Refinanzierung reden sollten, um die Reihenfolge klarer zu transportieren!):

das jetzige Einkommenssteuer-System subventioniert einseitig Maschinen-Arbeit. Das ist nicht der Fall, wenn die MWSt einen sehr hohen Anteil ausmacht. Wenn ich in früheren Ausführungen noch von 100% ausging, so kann ich mir heute Anteile zwischen 70 und 50% vorstellen. Das lässt sich aber demokratisch austarieren und beliebig nach oben oder unten justieren, falls die vorher genannten 3-Säulen stabil aufgestellt sind.

Entscheidend für mich, dass wir über früh oder lang darauf verzichten, Steuern auf Einkommen zu erheben, weil das – Götz Werner nutzt diesen Begriff in meinen Augen zu recht – zu „Knospenfrevel“ führt und nur die Arbeit teuer macht und daraus sich ergebend die Preise anhebt.

haufig angeführte „Gegenargumente“ zur MWSt

>>Steuerprogression<<

Viele der ausgemachten Gegner einer MWSt-Finanzierung verweisen ständig darauf, dass mit einer 100%-MWSt-Finanzierung die Progression abgeschafft würde. Ich persönlich hätte kein Problem damit. Aber wenn man die Progression für so wichtig hält, lässt sie sich wunderbar einbringen, in dem man weiterhin 3 Stufen hat, wie auch heute schon .

Die reguläre Höhe beträgt 19% (alles bezogen auf die BRD), Bücher und Lebensmittel 7%, Wohnraum 0%. Ein solches Prinzip ließe sich ohne Weiteres wieder anwenden. (z.B. 70%, 30% und 0% – nur um eine willkürliche Staffelung zu nehmen, selbstverständlich könnten auch 5 Klassen definiert werden, aber damit ginge auch das Elegante an einer reinen 100%-MWSt für alle verloren).

>>die reinen BGE-Beziehern zahlen den höchsten Steuersatz<<

naja, das stimmt, im Verhältnis kommt ein Mensch mit einem Einkommen von ausschließlich einem BGE auf ziemlich genau 50% Steueranteil in seinen Ausgaben (entspricht etwas der Staatsquote)

ein anderer Mensch, mit zusätzlichen Einkünften, kommt vermutlich auf einen geringeren prozentualen Anteil an Steuern, die er/sie aufbringt – man darf also vlt auch bewusst die Frage stellen, ob das Zins-System überdacht werden kann oder ob wir zumindest auch negative Zinsen anlegen, wenn Geld zu lange irgendwo ungenutzt liegen bleibt (damit sind wir aber schon an den Toren zu meinem 4 + 1-Modell, das auch noch Geldsystemkritik umfasst und insbesondere eine Bodenrechtsreform vorsieht – damit werden aber die meisten Menschen überfordert und für das BGE an sich ist diese Überlegung nicht in erster Linie erforderlich)

ich stimme der Kritik aber nicht zu – und gebe zu, dass ich bislang vielleicht nicht verstanden habe, was da als so furchtbar angesehen wird – mein Punkt:
wenn jeder Mensch partizipierend sein kann, ist die Höhe des Betrages an sich völlig egal; ob es 500 oder 5 Millionen sind, hängt von der Kaufkraft ab (s. Italien vor der Euro-Einführung); das ist im Wesentlichen auch der einzige Unterscheid zwischen den Ländern im Süden des Globus im Vergleich zu der sogenannten 1. Welt; es kommt also darauf an, dass bestimmte Güter dafür erwerbbar sind, nicht welcher Betrag durch die Hände kursiert

wenn ich 1.000 bekomme und 500 an Steuern zahle aber dennoch alles erhalte, was ich brauche, kann jemand mit 10.000 von mir aus gerne „nur 3.500 oder 4.000“ an Steuern zahlen (was 35 – 40% sind, im Gegensatz zu meinen 50%) – aber was solls? Der Betrag selbst ist ohnehin höher und dieser Mensch mit höherem Einkommen als ich beteiligt sich automatisch mit einem höheren Betrag am Gemeinwesen als ich

Aber so lange jährlich die BGE-Höhe festgelegt wird – z.B. in einer jährlichen Debatte im Bundestag und Diätendebatten gäbe es nicht mehr, weil diese als Faktor des BGE gerechnet werden, also ein Vielfaches sind.
Nach dem Beispiel:
Abgeordnete/r erhält 15 mal das BGE, KanzelerIn 50 mal das BGE oder wie auch immer.

Es scheinen auch immer wieder sogar BefürworterInnen zu vergessen, dass ja jedes Individuum ein BGE erhält, weshalb natürlich Menschen, die sich dann zusammen schließen, einen Vorteil genießen.

Und zum Schluss noch das Verkäuferargument: „Ich wünsche Ihnen, 500.000 € Steuern im Jahr zahlen zu müssen!“ – dann ist nämlich egal, ob ich 350.000 behalte oder 550.000.

Sofortige Möglichkeit der Einführung:

Wenn es innerhalb der Bevölkerung zur kritischen Masse kommt, kann sofort das BGE eingeführt werden auf Grundlage einer negativen Einkommenssteuer. Mit einer NIFT50 (Negative Income Flat Tax 50%) hätte man rein rechnerisch das Gleiche erreicht wie mit einer 100%igen MWSt. Und beides würde einer Staatsquote von 50% bedeuten, wenn gleichzeitig  alle anderen Abgaben und Steuern abgeschafft würden. Es wäre grundgesetzkonform und haushaltsneutral.

Das reicht mir aber nur als Zwischenschritt. In der endgültigen Forderung gefällt mir an einer NIFT die Tatsache _nicht_, dass jeder Mensch bei Geburt eine Finanzamt-Nummer erhält und somit von Geburt an ausschließlich als Produktions- oder Wirtschaftsfaktor angesehen wird.

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Ein Gedanke zu „4-Säulen-Modell – ein mögliches Konzept zur Refinanzierung des Bedingungslosen Grundeinkommens

  1. Henrik Wittenberg

    >>Steuerprogression<<

    Durch das Zusammenspiel mit einem BGE, das an alle Konsumsteuerzahlenden ausgezahlt wird, entsteht bereits bei eine Konsumsteuer mit einheitlichem Steuersatz automatisch eine Progression. Wem die daraus resultierende Umverteilung nicht stark genug ist, kann natürlich die Steuersätze differenzieren, womit die Konsumsteuer allerdings wieder ihr Merkmal der Vereinfachung einbüßen würde.

    Antwort

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